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SELF-CARE editorial

Wie wir den Urlaub mit in den Alltag nehmen

Von Julia von Loessl
Lesezeit: ca. 5 Minuten


Es kann doch nicht sein, dass wir uns mit Kind und Kegel und Job und Alltag so dermaßen in den energetischen Ruin treiben, dass uns außer ein paar lumpigen Ferien-Bojen kaum Hoffnung bleibt. Ich habe beschlossen das zu ändern. Immerhin arbeite ich jetzt für etwas, das mit Balance-Dings-Bums zu tun hat.

Meist sind wir doch zu beginn der Ferien so fix und alle, dass wir Tage brauchen um uns durch den parallel-denken-Modus und Screentime-Entzug zurück in die normale Welt zu fummeln. Oder wir versuchen es erst gar nicht und checken doch lieber gleich zum Frühstück unsere business Mails und wundern uns, warum wir auch am Ende des Urlaubs noch immer gereizt und verspannt sind. Ist doch echtes Engagement, sich ständig seinem Job und seiner Unentbehrlichkeit hinzugeben. Und wirklich, wir geben doch unser Bestes allen gerecht zu werden. Oder?

Jetzt aber ernst: was macht einen schönen Urlaub aus? Ist es wirklich so sehr der blaue Himmel und die Hitze? Gut, die hätten wir hier nämlich auch. Nein, wir sehen plötzlich Dinge, die uns sonst eher verborgen sind. Wir nehmen plötzlich wieder wahr, mit welchem Mut unser 5-jähriger ins Wasser springt, denn wir sehen ihn nicht nur aus dem Augenwinkel, mit Handy in der Hand. Nein, wir sehen, wie das kleine Kinn bebt, während die tapsigen Schritte zum Ende des Ein-Meter-Bretts wandern und die abgewandte Hand den Stoff der Badehose umgreift bis die Fingerknöchel weiß hervortreten. Wir sehen, wie hinreißend orientierungslos unsere 12-jährige beginnt eine junge Frau zu werden und doch noch zu uns ins Bett Kuscheln kommt. Wir sehen am Lächeln unseres Partners, wie gut es uns tut mal wieder ganz für uns zu sein. Denn plötzlich haben wir: ZEIT. Für Achtsamkeit, Belanglosigkeit. Und wir haben sogar wieder Zeit zum Reden. So echte Gespräche, mit sowas verrücktem wie Pausen. Weil wir uns nicht in einem definierten Zeitfenster (Abendessen? Oder noch schlimmer beim Lunch) austauschen müssen. Einfach ungezügelte Zeit. Vielleicht auch nur für fließende Gedanken.
Wir sehen Dinge und tun Dinge, für die wir sonst zu beschäftigt sind. Diesen Satz habe ich jetzt etwa achtmal gelesen und je häufiger ich es tue, um so absurder scheint er mir.

Warum zum Teufel tun wir uns das an? Wann sind wir zu dauerbeschäftigten DOOMBIES, achtung - Wortkreation aus to do und Zombie mit dem kleinen Seitenhieb zu doom, englisch für Untergang. Es gibt in der Psychologie die Beschäftigungssucht - den Drang immer etwas tun zu müssen. Und ich meine es ist höchste Zeit, dem DOOMBIE in mir den Kampf anzusagen.

Befragt man Menschen, geben viele ihr Hobby als Ausgleich an. Höchst sinnvoll natürlich, weil ist ja meist ein Hobby was man sich im Besten Fall freiwillig aussucht. Vielleicht aber fast auch sowas wie eine kleine Falle, doch nur wieder etwas tun zu können? Spazieren, Freunde treffen, Faulenzen gehören noch immer zu den häufigsten Antworten, wenn es darum geht, wie man am Besten die Akkus auflädt.

Spazieren, Natur, Zeit, Erleben - echtes wahrnehmen und natürlich Freunde (bin ja kein Eremit). Das mach ich jetzt auch. Nämlich jedes Wochenende. Ich werde am Freitag Abend offline gehen, mich von Instagram verabschieden, meine Mails ausschalten, den Kalender schließen. In meinem Fall werde ich das Geschäftshandy in den Flugmodus bringen und auf meinem privaten Handy alle verdächtigen Zeiträuber-Apps löschen. Ich werde mich nicht mehr Abends in den Schlaf berauschen lassen und mich durchs Ablenkungs-Nirvana swipen. Ich werde in zwei Tagen so richtig runter kommen und noch nicht mal Nachrichten lesen oder sehen. No News - wozu auch? Ohnehin fast alles Clickbaiting, je schlimmer die Schlagzeile, je größer die Aufmerksamkeit. Nee, um diese Dinge mache ich mir an diesen beiden heiligen Tagen schonmal keine Sorgen mehr. Und ohne News, Insta und zwei, drei anderen Apps ist damit die Screenfreie Zeit quasi vorprogrammiert. Ich will diese Ablenkung nicht mehr, die mich am Ende davon abhält Dinge zu tun, die wirklich wertvoll sind. Statt dessen werde ich die Ruhe in meinem Kopf zulassen, hole mir den Urlaub in meinen Alltag und werde einfach mal schauen was passiert.

Ich bin mir sicher: ich werde Dinge sehen und Dinge tun, für die ich sonst zu beschäftigt bin.

Experte

Julia von Loessl

Als CEO ist Julia immer auf der Suche nach neuen Trends die uns zu mehr Balance führen. Sie testet neues und altbewährtes, berichtet und empfiehlt. Sie spricht mit Experten darüber, wie die das so machen mit der Balance und vor allem mit welchen kleinen und großen Dingen wir mehr Ausgeglichenheit in unser wildes Leben bekommen.