We enable people to live a balanced life.

MIND & SOUL editorial

Heute ist Wertschätzungstag!

Von Anna Siegener
Lesezeit: ca. 5 Minuten


Schon gehört? Heute ist Wertschätzungstag. Und falls du dich fragst, ob das mal wieder einer von diesen internationalen An-alles-Mögliche-Gedenktagen ist: Nein. Offiziell gibt es diesen Tag nicht. Aber wir möchten ihn gern dazu erklären: heute, hier und jetzt. Einfach, weil man nie genug Wertschätzung verteilen kann. Weil kaum etwas Menschen mehr freut. Oder anders gesagt: Weil es kaum etwas gibt, das das eigene Umfeld so positiv verändern kann. Wir haben deshalb unten mal eine ganze Menge Beispiele aufgelistet für Sätze, mit denen man Wertschätzung ausdrücken kann. Obacht: Es sind keine Komplimente, auch wenn sie sich so lesen. Es geht nicht um „Du hast ein hübsches Kleid an“ oder „Gut gemacht, ist ja alles rechtzeitig fertig geworden“, denn das ist nicht genug. Lesen wir mal, was auf Wikipedia über „Wertschätzung“ steht, das ist nämlich sehr gut und zutreffend- „Wertschätzung bezeichnet die positive Bewertung eines anderen Menschen. Sie gründet auf einer inneren allgemeinen Haltung anderen gegenüber. Wertschätzung betrifft einen Menschen als Ganzes, sein Wesen. Sie ist eher unabhängig von Taten oder Leistung, auch wenn solche die subjektive Einschätzung über eine Person und damit die Wertschätzung beeinflussen.

Wertschätzung ist verbunden mit Respekt, Wohlwollen und drückt sich aus in Zugewandtheit, Interesse, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit.“

Kapiert? Die Beispiele von oben würden also wertschätzend ausgedrückt so lauten: „Du hast ein hübsches Kleid an. Mir fällt immer wieder auf, mit welcher Stilsicherheit du deine Outfits auswählst.“ Und aus „Gut gemacht, alles rechtzeitig fertig“ würde „Gut gemacht, alles rechtzeitig fertig dank deiner Flexibilität und und weil du bereit warst, für das Projekt Überstunden zu machen.“

Es geht also darum zu erkennen und anzuerkennen, was der persönliche Anteil genau desjenigen Menschen war, den man loben möchte. Ganz konkret. Das ist der Grund, warum allgemeines Gruppenlob à la „Das haben wir toll hingekriegt, danke an euch alle“ an vielen abperlt und keine zufriedenheitsfördernde Wirkung zeigt. Im Gegenzug bedeutet das allerding nicht, dass man jeden einzelnen erwähnen muss, aber wie wäre es mit: „Ich habe gesehen, dass viele von euch an ihre Grenzen gehen mussten, und ich habe auch gesehen, dass es trotzdem in dieser schwierigen Situation ganz viel Solidarität und Zusammenhalt gab. Dafür möchte ich mich bedanken.“ Besser, oder? Dieser Chef oder diese Chefin hat anerkannt, wie gut es gelaufen ist und warum.

Also: Wertschätzung ist nicht mehr und nicht weniger als ein großes „Ich sehe dich“. Und ist es nicht das, wonach wir alle uns sehnen? Dass man uns sieht: wie wir uns bemühen, in welche Dinge wir Liebe stecken, wo wir stark oder sogar wo wir schwach sind.

Der Trick mit der Wertschätzung funktioniert sogar, wenn es etwas zu kritisieren gibt.

Dazu wieder den Fokus auf das Gute legen. Die Kollegin, die ein bisschen zu viel tratscht - was bewirkt wohl eher eine Verhaltensänderung: „Immer musst du alles weitererzählen, was man dir anvertraut.“ Oder: „Ich schätze es sehr, dass du so gut vernetzt bist und ich habe auch schon oft davon profitiert. Letzte Woche habe ich aber gehört, dass du Saskia etwas erzählt hast, von dem ich sicher war, dass es unter uns bleiben würde.“ Bedeutet: Es geht nicht mehr um „Du bist eine Klatschtante“, sondern um „Ich finde es ja an sich gut wie du bist, aber dieses Mal war es zuviel“. Ziemlich wahrscheinlich wird so ein Gespräch besser verlaufen.

Wie geht Wertschätzung also konkret?

Der erste Schritt ist: Hinsehen. Nicht nur: „as hat der Partner, das Kind, der Kollege gemacht, das mir gefallen hat – sondern wie hat er oder sie es gemacht. Mit viel Sorgfalt, mit großer Kreativität, mit Gemeinsinn oder Beharrlichkeit? Obwohl eigentlich anderes zu tun war, es nicht sein Lieblingsprojekt war? Was war das, was mir an seinem Handeln gefallen hat?

Und dann: es aussprechen. Auch das muss man oft erst üben. Manchmal schafft man das nicht sofort. Nicht schlimm, denn zu spät gibt es eigentlich nicht. Beispiel: „Ich wollte dir noch sagen, dass ich es supercool fand, wie du dich bei deiner Präsentation letzten Monat nicht durch die Zwischenfragen hast aus der Ruhe bringen lassen.“ Extrem wichtig dabei: Augenkontakt halten, lächeln, klar sprechen und die Aussage nicht verschämt wegmurmeln. Damit zeigst du, dass du das, was du sagst, auch genau so meinst. Lernt man mit der Zeit.

Obacht: Nicht Leistung wertschätzen, sondern Eigenart.

Wenn der Sohn seine Bastelarbeit mit großem Fleiß in vielen Stunden zum Ende gebracht hat, ist das genauso wertvoll wie die Arbeit der Tochter, die, zackzack, ein leicht instabiles Gebilde zusammengeklebt hat. Wie schlau von ihr, so kann sie noch spielen gehen. Auch wenn du selbst es eigentlich ein bisschen pfuschig findest. Und wie gesagt, wenn du der Ansicht bist, das reiche nicht: siehe oben. Wertschätzende Kritik: „Wow, Anna, wie schnell du warst! Dein Haus sieht so luftig aus, fast wie ein Zelt, das fliegen kann. Ich würde dir gern einen Tipp geben darf: Wenn du noch ein paar Verstärkungen links und rechts anbringst, kannst du es sicherer zur Schule bringen, sodass es nicht kaputt geht, bevor deine Lehrerin es sehen kann.“ Falls Anna nicht darauf anspringt, ist sie wenigstens gewarnt.

Also: Nicht Überstunden loben, sondern die Flexibilität, dass die Mitarbeiterin bereit war, ihre Planung anzupassen. Nicht die Top-Note in der Prüfung, sondern die originellen Gedanken im Text, die zu der Note geführt haben. Nicht „Danke, dass du auf den Hund aufgepasst hast“, sondern „Danke, denn du bist diejenige, der ich am meisten vertraue, dass er gut aufgehoben ist“. Oder „Danke, dass du es gemacht hast, besonders weil ich weiß, dass du gar nicht gern Tiere in der Wohnung hast“.

Und noch ein Tipp zum Schluss:

Nicht relativieren. Ein „aber“ oder „auch wenn“ macht alles kaputt. Weglassen! Auch keine Ironie, kein „für deine Verhältnisse war das ja richtig gut.“ Mag als Kompliment gemeint sein, funktioniert nur leider nicht. „Dein Zitronenhühnchen war köstlich, auch wenn ich persönlich ja lieber Tandoori-Huhn esse“ - what? „Super Kopfsprung, aber die Beinstellung war noch nicht richtig.“ Äh, nein, leider nicht motivierend, sowas. Dann lieber gar nichts sagen und nochmal diesen Text lesen.

Die wertschätzende Art, Dinge wahrzunehmen, muss man üben. Sie bedeutet Aufmerksamkeit gegenüber den Mitmenschen und Offenheit für Andersartigkeit - also das jemand anders vorgeht als man selbst, dass dies aber genauso wertvoll sein kann. Es ist oft ein längerer Prozess, diese Denkart in sich zu verankern. Lohnt sich aber total. Denn wer Wertschätzung gibt, bekommt Zuneigung zurück. Auf lange Sicht kann das die Welt verändern.

Hier noch ein paar gute Beispiele für wertschätzendes Lob:

Die Beispielsätze unten bitte gern gleich anwenden (dürfen selbstverständlich verändert und an deine Love-Person angepasst werden) oder sonst für die nächste Geburtstagskarte verwenden:

  • „Deine unkaputtbare Zuversicht inspiriert mich, mehr Vertrauen in mich selbst zu haben.“
  • „Du bist so eine gute Planerin und es ist toll, wie du uns alle zu neuen Dingen mitreisst.“
  • „Ich erinnere mich an all die Dinge, die wir gemeinsam erlebt haben, und freue mich immer darauf, Zeit mit dir zu verbringen, weil ich mich bei dir einfach gut aufgehoben fühle.“
  • „Ich fühle mich sicher, wenn du die Dinge in die Hand nimmst, auch und besonders, wenn etwas Schwieriges vor uns liegt.“
  • „Du findest immer die richtigen Worte. Du hast eine großartige Intuition und Einfühlungsgabe für Menschen.“
  • „Du hast ein exzellentes Auge für den richtigen Moment bei Fotos und Videos. Ich liebe die Bilder, die du auf Social Media teilst.“
  • „Du bist wirklich ein guter Teamplayer. Ich bin sehr froh, mit dir zu arbeiten.“ „Deine Begeisterungsfähigkeit bereichert mein Leben.“
  • „Ich schätze es sehr, dass du es anderen erlaubst, ihre Gefühle auszusprechen, ohne sie zu bewerten.“
  • „Deine Fähigkeit, ein Problem von mehreren Seiten zu betrachten, ist sowas von hilfreich für mich. Ein echtes Geschenk.“
  • „Wie du für andere einstehst, ist sehr sehr mutig.“
  • „Ich liebe es, dass du Menschen mit Respekt behandelst, selbst wenn du anderer Ansicht bist als sie.“
  • „Du hast aus deiner Wohnung einen Platz gemacht, der vor Wärme nur so strahlt. Ich bin wirklich gern hier.“
  • „Ich höre so gern, was du über Bücher, Musik, Filme oder Kunst zu sagen hast: Das gibt mir neue Einblicke, auf die ich selbst gar nicht gekommen wäre.“
  • „Dein Lachen ist so ansteckend. Ich kann gar nicht anders als mitzulachen.“
  • „Ich habe viel von deinem klaren und freundlichen Kommunikations-Stil gelernt.“
  • „Du hast wirklich hart gearbeitet, um bis hierher zu kommen. Ich hoffe, du hast die Gelegenheit, dich so zu feiern wie du es verdienst.“
  • „Du bist der Klebstoff in jeder Gruppe. Es ist wunderbar, dass es Menschen wie dich gibt, die ganz natürlich Menschen verbinden können.“
  • „Eine wirklich tolle Eigenschaft von dir: dass du dich glaubwürdig und freiwillig entschuldigst, wenn du einen Fehler gemacht hast.“
  • „Du bringst mich oft auf andere Ideen und bist ein echter Segen für mein Leben.“

Experte

Anna Siegener

Anna ist seit vielen Jahren als Autorin im Universum der anspruchsvollen Frauenzeitschriften unterwegs. Sie beschäftigt sich am liebsten mit allem, was unser Leben schöner und leichter macht, in Beruf und Familie, Körper und Seele, Lieben und Leben. Ihr Credo: Gute neue Gedanken und Ideen muss man großzügig weitergeben, damit sie wachsen und wirken können.