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MIND & SOUL editorial

So geht Journaling auch ohne Worte

Von Anna Siegener
Lesezeit: ca. 5 Minuten


Für alle, diejenigen von uns, die sich lieber anders ausdrücken als mit Schreiben: Art Journaling ist genauso gut – und macht fast noch mehr Spaß.

Etwas aufzuschreiben ist oft super hilfreich. Um Klarheit zu schaffen, Gedanken zu sortieren. Um Flüchtiges festzuhalten oder sich Dinge bewusst zu machen, die leicht übersehen werden. Um Gefühle auszusprechen, für die es sonst (noch) keinen Adressaten gibt. 

Aber: Für manche Menschen sind Worte nicht die richtige Ausdrucksform. Weil sie es anstrengend finden zu formulieren oder es ihnen keine Freude macht. Oder weil banal erscheint, was man da so niederlegt. Und es gibt auch Situationen, die zu schwierig, zu schmerzhaft oder auch schon zu oft schriftlich durchgekaut sind, als dass man sie mit (weiteren) Worten fassen könnte. Für solche Situationen – und auch für ein bisschen Abwechslung für die, die an sich gern schreiben - gibt es eine tolle Alternativer: Art Journaling, also Journaling mittels Bildern.

Wer jetzt sagt: „Was? Malen und Zeichnen? Kann ich nicht!“: bitte erstmal weiterlesen.

Denn genau wie beim Geschriebenen gilt auch hier: Dein Tagebuch ist ein Safe Space, in den nur du reingucken darfst. Niemand wird beurteilen, was du da fabriziert hast. Nichts muss gut oder schön sein, du darfst machen, was du willst. Du musst kein Schriftsteller sein, um ein Tagebuch zu führen und kein Künstler für ein Art Journal.  

Und was braucht man dafür?

Du brauchst nichts als ein schönes Buch mit gutem Papier und irgendwas, mit dem du gern malst und dass du sicher eh in irgendeiner Schublade hast: Ob Pinsel, Bunt- oder Filzstifte, oder auch nur ein simpler Bleistift, ist egal. Manchen hilft, erstmal einfach auszuprobieren, was man damit anstellen kann oder mit welchen Werkzeugen es überhaupt Spaß macht. Du kannst eine lange Linie malen, die nicht enden darf. Du kannst Farbkleckse oder -flächen aneinander setzen oder umrahmen. Du kannst Kästchen, Kreise, Herzchen malen, schraffieren oder schnörkeln, Häuser oder Gesichter zeichnen oder auch einzelne Wörter kalligrafieren.

Das Ziel ist hier: Herausfinden, was dir Freude macht. Wenn du weißt, welche Technik zu magst, kannst du daraus eine Gewohnheit machen und jetzt auch inhaltlich arbeiten. Es kann auch helfen, zum Anfang jeder Tagebuch-Session ein, zwei Minuten frei zu skribbeln, einfach, um reinzukommen. Oder: Mandalas oder Malbücher nutzen, um in den Zeichenflow zu kommen.

Okay, und wie fängt man an? 

Zum Beispiel mit dieser einfachen Übung: Stell dir vor, du wanderst in einer fantastischen Landschaft, nämlich der deiner Gedanken und Gefühle. Alles, was gerade da ist, bekommt eine Form, wird zu einem Wald, einem Berg oder einem fließenden Strom. Vielleicht springen darin deine Gedanken herum wie kleine Fische. Und vielleicht ist die Freundin, auf die du dich so gut verlassen kannst, ein Baum oder eine helle Lampe? Und wenn du alles schwarz malst vor lauter Wut und Angst, ist das auch gut. Dann bist du auf dem richtigen Weg zu tieferer Einsicht in deinen aktuellen Zustand. Diese Übung kannst du immer dann machen, wenn du kein konkretes Thema hast, sondern nur überprüfen willst, wie es dir heute geht.

Und dann geht’s los:

Es kann helfen, zum Anfang jeder Tagebuch-Session erstmal ein, zwei Minuten frei zu skribbeln, einfach, um reinzukommen. Oder: Mandalas oder Malbücher nutzen, um in den Zeichenflow zu kommen. Danach: kurz (oder auch länger) in dich hineinhören. Was ist los? Taucht eine Frage, ein Gefühl, ein Wort auf? Alles ist gut, du kannst deine Wut auf deinen Chef malen oder die Antwort auf die Frage, wohin du gern in den Urlaub fahren würdest. 

Hier kommen noch weitere Tipps, die die nutzen kannst, wenn du magst: 

  • Du kannst abstrakt malen oder konkret. Oder beides. Oder auch Text dazuschreiben. No limits, das ist die wichtigste Regel.
  • Denk dran: Niemand wird das sehen, du musst nichts davon auf Social Media posten. Also kein Druck wirklich etwas wie Kunst zu produzieren. Aber du wirst bald beim Zurückblättern merken: Du erzeugst trotzdem etwas, auf das du stolz sein kannst.
  • Fall du gerade eine Therapie machst: Erzähl deinem Therapeuten oder deiner Therapeutin ruhig davon. Vielleicht haben sie gute Ideen/Fragen/Übungen für dich.
  • Dokumentier ruhig deinen Tag. Datum aufschreiben oder sich eine Legende ausdenken, mit der der du bestimmte Ereignisse, Gefühle, Situationen festhalten kannst. Ein Art Journal muss nicht nur Bilder enthalten, es kann auch eine Timeline sein.
  • Schieb ab und an mal eine Seite nur zum Scribbeln ein. Keine Struktur, keine Aufgabe, nur im Jetzt sein. Das hält den Spaßfaktor aufrecht.
  • Nutze Linien als Übung. Sie können im wahrsten Sinne zum Festhalten dienen, zum Beispiel, wenn man gerade in einem Gefühlschaos oder einer sonst wie überwältigenden Situation steckt.  Du kannst zum Beispiel eine Angstlinie ziehen und dem Gefühl währenddessen nachspüren. Danach könntest du die Linie bunt malen oder verschnörkeln oder dick ummanteln. So „verarbeitest“ du Gefühle auf wahrhaft kreative Weise.
  • Wenn du vor dem weißen Blatt sitzt und dir keine Idee kommt: Lass deine Hand dich führen. Muss alles keinen Sinn ergeben. (Tut es aber am Ende immer…)
  • Falls dir langweilig wird: Versuch es mal mit anderen Malutensilien, einer Schere oder klebe eine Collage aus Bildern und Wörtern, die dich irgendwie berühren. Du kannst auch drumherum oder drüber malen, sie verbinden oder beschriften.
  • Wenn du außerhalb deines Journals malst oder kritzelst: gern einkleben!
  • Und vor allem: Mach es dir schön! Hör schöne Musik, trink ein Glas Wein oder eine Tasse Tee und genieße diese Zeit nur für dich.

Experte

Anna Siegener

Anna ist seit vielen Jahren als Autorin im Universum der anspruchsvollen Frauenzeitschriften unterwegs. Sie beschäftigt sich am liebsten mit allem, was unser Leben schöner und leichter macht, in Beruf und Familie, Körper und Seele, Lieben und Leben. Ihr Credo: Gute neue Gedanken und Ideen muss man großzügig weitergeben, damit sie wachsen und wirken können.