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Diesen Monat stellt sich unsere Star-Kolumnistin Suse Kaloff, eigentlich langjähriger Selfcare-Junkie, eine interessante Frage: Kann man auch zu viel für sich selber tun?

Von Suse Kaloff
Lesezeit: ca. 5 Minuten


Wann fing es eigentlich an, dass es eine Art Trend-Sportart wurde, um seinen eigenen Bauchnabel zu kreisen? Sich mehr darum zu sorgen, ob man ausreichend Superduperfoods verzehrt, gefiltertes Wasser getrunken, die Kristalle im Mondlicht aufgeladen, Yoga/Vagina Steamings/Morning Journaling/Meditationen gemacht hat als darum was sonst noch so los ist – außerhalb des eigenen Körpers und Kosmos. Don’t get me wrong, ich bin großer Fan davon, stets ein Auge auf seine körperliche, seelische und mentale Gesundheit zu haben. Und auch davon, sich selbst zu lieben und auch mal nackt mit einem brennenden Bündel Salbei vor den Spiegel zu stellen und sich mit Aufmunterungen à la „Du bist wunderschön!“ anzufeuern. Aber in letzter Zeit habe ich den Eindruck, dass manchen ein bisschen weniger Selbstbeweihräucherung auch ganz gut bekommen würde.  


Self-Care ist seit einigen Jahren ein beliebtes Wort, es wird immer dann benutzt, wenn ausgedrückt werden soll, dass man sich gut um sich selbst kümmern muss. Damit bin ich donnernd d’accord, weil, mal ehrlich: Wer denn sonst, wenn nicht man selbst? Die meisten von uns, die das hier lesen, sind dem Alter vermutlich entwachsen, in denen man diese Aufgabe an Mama und Papa outsourcen könnte. Aber: Selbstfürsorge wird ja langsam fast zum Vollzeitjob! Ich hatte mal eine Phase, da war ich so lange mit meiner Morgenroutine beschäftigt, dass die Sonne bereits wieder unterging, als ich damit durch war. Dankbarkeitslisten im Bett, kaum, dass man die Augen aufgeschlagen hat, heißes Zitronenwasser, komplizierte Meditationen, noch kompliziertere Atemübungen, Yoga, Morning Journaling, Celery Juice/Green Smoothie/Gesundes Dingsbums zubereiten, Trockenbürstenmassage, Öl ziehen, sich selbst positive Affirmationen ins Ohr flüstern, den kompletten Körper in Sesamöl marinieren, den Geist/Kleiderschrank/dasHandy detoxen. Uff! 


Die Idee ist, dass dadurch alle anderen von der Angel sind, weil man die Aufgabe (Liebe!), für die man sie sonst braucht, ja schon auf allen erdenklichen Ebenen erledigt hat. Und auch dass, wer sich selbst so viel Zuwendung und Aufmerksamkeit schenkt, ein besserer Mensch wird oder zumindest einer, der mit sich selbst im Reinen ist. Ich stimme dem im Grunde zu, habe nur noch eine Frage: Muss man sich denn immer rundum ausgezeichnet fühlen? Und ich beantworte sie auch gleich: Nein, man darf sich selbst auch mal vergessen. Manchmal tut das sehr gut. Ich gehe sogar soweit, immer mal wieder tageweise zu Hause meine Spiegel zu zuhängen. Wir müssen uns nicht immer schön finden, es ist okay, wenn wir uns mal gar nicht finden. Manchmal sind wir einfach, was wir sind. Ohne Selbstoptimierung und Angst davor, uns selbst nicht genug bemuttert zu haben. Und niemand muss 24/7 hot hot sein, um Liebe zu verdienen. Liebe ist bedingungslos, remember? 


Vergesst den dummen Satz, den ich früher selbst gesagt habe: „Wie soll man von einem anderen geliebt werden, wenn man sich selbst nicht liebt?“ Das geht nämlich und passiert täglich. Wir lieben Menschen, denen es an Self-Love mangelt (vielleicht gerade deshalb) und manche lieben auch uns. Selbst dann, wenn wir vielleicht grad ganz andere Sorgen haben, als 108 Sonnengrüße zu machen, Basenbäder zu nehmen und uns einfach mal ‘ne Weile von Nutella-Broten ernähren.

Foto: Brita Sönnichsen

Well-being Experte

Suse Kaloff

Bestseller- und Star-Autorin aus Hamburg. Mit ihren frechen, frischen, authentischen, vor allem aber dabei tiefsinnigen Veröffentlichungen bereichert Suse nun auch yoself. Jeden Monat denkt sie in ihrem Editorial mit uns über das Leben in Balance nach - mit allem, was dazugehört. (Foto: Brita Sönnichsen)