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HEALTH editorial

Oops! Ist das etwa eine Blasenentzündung? Im Sommer?

Von Anna Siegener
Lesezeit: ca. 5 Minuten


Die gemeine Blasenentzündung ist im Sommer besonders gemein. Weil sie uns mit krampfartigen Bauchschmerzen, häufigem Harndrang und dann Brennen beim Wasser lassen, schlimmstenfalls auch mit Fieber oder einer Ausbreitung auf die Niere tatsächlich den Sommer verderben kann. Schwimmen und im Wasser plantschen sind dann nämlich total Tabu. Also, Vorsicht! Und lieber frühzeitig ein paar Regeln einhalten und gut vorbeugen, insbesondere wenn man weiß, dass man ein Blasenentzündung-Typ ist - denn die Krankheit ist generell rezidivierend. Bedeutet: Wer sie einmal hatte, ist in Zukunft gefährdeter für eine chronische Empfindlichkeit. Damit euch das nicht passiert, hier die wichtigsten Infos zum Thema.

Warum sind von Blasenentzündung vor allem Frauen betroffen?

Ungerecht, aber nicht zu ändern: Der Grund liegt in der Anatomie. Bei Frauen liegen Harnröhrenöffnung und Darmausgang näher zusammen. Und: Ihre Harnröhre ist kürzer. Das hat zur Konsequenz, dass Darmkeime, die in 70 Prozent der Fälle die Ursache der Beschwerden sind, leichter nach oben zur Blase gelangen können, wo sie die Entzündung verursachen. Das sind meist an sich harmlose E.-Coli-Bakterien, die natürlicherweise im Darm vorkommen, aber eben nicht in der Blase. Wichtigste Vorsorgemaßnahme ist daher eine korrekte Toilettenhygiene, konkret: Urin und Stuhlgang immer von vorne nach hinten abwischen. Und weil auch Geschlechtsverkehr dieses Risiko erhöht, ist Wasserlassen nach dem Sex eine gute Prophylaxe. Die meisten Frauen verspüren sowieso diesen Drang und er ist genau richtig: fremde und eigene Bakterien erstmal aus der Harnröhre spülen.

Was nur wenige wissen: Bei Frauen in den Wechseljahren steigt das Risiko einer Blasenentzündung zusätzlich. Denn durch den spätestens ab Mitte 40 sinkenden Östrogenspiegel werden die Schleimhäute schlechter durchblutet und deswegen anfälliger für Infektionen. Auch ältere Menschen bekommen leichter Blasenentzündungen. Schuld sind meist ein geschwächtes Immunsystem oder Alterskrankheiten wie Typ-2-Diabetes. Auch eine vorangegangene Antibiotika-Therapie begünstigt eine Blasenentzündung.

Was sind die Risikofaktoren im Sommer?

Verantwortlich ist meist eine Unterkühlung. Die Immunabwehr des Körpers und die Durchblutung der Schleimhäute im Unterleib werden dadurch herabgesetzt. Die Erreger haben dann leichtes Spiel und können sich schnell vermehren. Wo passiert das im Sommer? Zum Beispiel nach dem Schwimmen. Oder in vermeintlich lauen Sommernächten, die dann doch irgendwie kühl werden. Oder in Zugluft, zum Beispiel mit offenen Fenstern oder einem Ventilator. Oder in Räumen oder Autos mit Klimaanlage. Übrigens auch im Büro, wo verschiedene Menschen auch unterschiedliche Temperaturbedürfnisse haben. Kennt man ja: Fenster auf, Fenster zu, Ventilator an, Ventilator aus. Ein weiteres Risiko: nasse Badekleidung auf der Haut – bei empfindlichen Frauen reicht die dabei im Unterleib entstehende Kälte bereits aus. Außerdem tummeln sich im Wasser von Freibad und Seen häufig Bakterien, die von den nassen Höschen in die Blase wandern können. Also unbedingt nach dem Schwimmend nasse Sachen aus- und etwas Trockenes anziehen. Insbesondere den Unterleib warmhalten, etwa mit einem Tuch um die Hüften. Ähnlich nach dem Sport: Auch nassgeschwitzte Kleidung kann auf dem Körper schnell auskühlen und Blasenentzündungen provozieren. Nach dem Training also nicht nur das T-Shirt, sondern schnell auch die Unterwäsche wechseln. Begünstigend wirkt zu alledem auch: Flüssigkeitsmangel, weil dann der Urogenitaltrakt nicht gut durchgespült wird und Bakterien ungehindert aufsteigen können.

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Erste Regel: trinken, trinken, trinken, mindestens drei bis vier Liter am Tag. Das schwemmt die Erreger aus dem Harnsystem aus. Wasser oder Blasentees aus der Apotheke eignen sich am besten, da sie die Nierenaktivität und die Ausscheidungsmenge erhöhen. Auf Alkohol, Kaffee und schwarzen Tee lieber verzichten, denn sie reizen die Blasenschleimhaut zusätzlich. Wärme wirkt krampflindernd: ein Voll- oder Sitzbad mit Kamille nehmen oder eine Wärmflasche auf den Unterbauch legen. Wenn die Symptome nicht nach spätestens zwei bis drei Tagen aufhören oder wenn Fieber oder Blut im Urin dazukommen, unbedingt einen Arzt aufsuchen. Er prüft den Urin auf Bakterien und verschreibt gegebenenfalls ein Antibiotikum. Außerdem klärt er durch Abklopfen der Nieren, ob diese auch schon betroffen sind.

Wie kann ich vorbeugen?

Wenn ihr ein paar Dinge beachtet, könnt ihr schon im Voraus einer Blasenentzündung Kontra geben. Wichtigste Vorbeugung: warme Kleidung im Zwiebelprinzip. So kannst nach Bedarf ein Kleidungsstück aus- oder überziehen. Nimm zum Abendessen auf der Terrasse ein schönes großes Tuch mit, in das du dich einwickeln oder dass du als Sitzunterlage benutzen kannst. Bei Hitze Unterwäsche aus Baumwolle tragen, sodass du nicht so leicht schwitzt. Trockne dich nach dem Schwimmen gut ab und wechsle die nasse Kleidung gegen trockene. Ein Bademantel zum Aufwärmen ist eine gute Idee. Kalte Sitzplätze wie Mäuerchen oder kalten Sand meiden, Füße und Unterleib immer warmhalten. Wichtig ist außerdem: viel trinken, um den Körper durchzuspülen und bei Harndrang sofort auf die Toilette gehen. Und: Wer zu Blasenentzündung neigt, sollte unbedingt Cranberries essen, als Saft oder per Supplement einnehmen. Eine Studie aus dem März 2022 des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) zeigte, dass der vorbeugende Einsatz von Cranberry-Präparaten eine häufig wiederkehrende Blasenentzündung verhindern oder hinauszögern kann.

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Experte

Anna Siegener

Anna ist seit vielen Jahren als Autorin im Universum der anspruchsvollen Frauenzeitschriften unterwegs. Sie beschäftigt sich am liebsten mit allem, was unser Leben schöner und leichter macht, in Beruf und Familie, Körper und Seele, Lieben und Leben. Ihr Credo: Gute neue Gedanken und Ideen muss man großzügig weitergeben, damit sie wachsen und wirken können.