SLEEP editorial

Kleiner Kissen-Guide

Von Janina Grimmiger
Lesezeit: ca. 6 Minuten


Schlecht geschlafen? Vielleicht liegt das an deinem Kopfkissen? Häufig ist das so geliebte Kissen überaltert und sorgt für mehr Beschwerden als nur einen steifen Nacken. Auch wenn es so gemütlich ist, in dem kuscheligen Kissen zu versinken, genau das kann deinen erholsamen Schlaf vielleicht sabotieren. Dabei ist es eigentlich ganz simpel: Unterschiedliche Schlaf-Typen brauchen unterschiedliche Kopfkissen. Welches Modell sollte in dein Bett?

Welches Kissen für welchen Schlaf-Typ

Grundsätzlich schlafen wir in 3 verschiedenen Positionen:

Auf dem Rücken – ist die gesündeste Variante, denn die Wirbelsäule bleibt gerade.
Auf der Seite – ein passendes Kissen hilft, dass der Kopf nicht nach unten hängt.
Auf dem Bauch – diese ungesunde Art des Schlafens am besten abgewöhnen.

Das passende Kissen stützt den Kopf und hält die Wirbelsäule im Gleichgewicht, neben der Schlafposition sind auch Körperform und eventuelle Beschwerden, wie Schnarchen oder Nackenverspannungen, bei der Auswahl zu beachten.

Schnarcher

Regelmäßiges Schnarchen stört nicht nur die Person neben dir, sondern beeinträchtigt auch den eigenen Schlaf. Daher gibt es Kissen, auf denen der Kopf so liegt, dass die Zunge nicht mehr abrutscht, was u.a. eine Ursache fürs Schnarchen sein kann. 

Allergiker

Hausstauballergie? Wer auf einem Daunenkissen liegt, wacht morgens oftmals mit verstopfter Nase auf. Das könnte an der Kissenfüllung liegen. Auf Kissen mit gut waschbaren, synthetischen Füllungen, die dazu atmungsaktiv sind, schlafen Allergiker meist viel besser.

Nackenschmerzen

Wachst du häufig mit einem steifen oder verspannten Nacken auf? Was viele jetzt eventuell abschreckt: Lass das Kopfkissen weg oder steige auf eine Unterlage um, die den Nacken stützt und die korrekte Lage der Wirbelsäule unterstützt.

Schwitzer

Schon wieder schweißgebadet aufgewacht? Es gibt Kopfkissenmodelle, die den Kopf etwas kühlen und die Wärme ableiten. Das macht den Schlaf direkt angenehmer.

Seitenschläfer

Wenn du gerne auf der Seite schläfst, wachst du teilweise wahrscheinlich mit leichten Gliederschmerzen oder einem Handabdruck im Gesicht auf. In der Seitenlage ist vor allem die Höhe des Kissens entscheidend: Ist das Kissen zu hoch, werden die stärker belasteten Halswirbel nach oben gedrückt. Ist es zu niedrig, sinkt der Kopf ab und die Wirbelsäule verläuft schief. Beides ist unangenehm. Schultern können nach einiger Zeit einschlafen und man beginnt, sich zu wälzen. Daher gibt es Kissen für Seitenschläfer. Während der Nacht kann man diese umarmen und das Kissen stützt Kopf, Nacken, Rücken, Hüfte, und Knie, so dass die Wirbelsäule in einer Linie bleibt und entlastet wird. Ein normales Kopfkissen (mit passender Höhe) kann auch ausreichen, eventuell ist dann ein zweites Kissen für die Beine nötig. Das kann bequemer sein, falls die Schlafposition häufig gewechselt wird.

Rückenschläfer

Liegt die Wirbelsäule schön gerade auf der Matratze, entstehen keine Verspannungen oder einseitige Belastungen. Das Kissen sollte daher weder zu niedrig noch zu hoch sein. In der Rückenlage eignen sich Nackenstützkissen, denn das Kissen ist eigentlich nur für den Kopf gedacht. Liegen die Schultern darauf, knicken die Halswirbel ab und der Rücken krümmt sich. Die erhöhten Ränder dieses Kissens stabilisieren den Nacken und der Hinterkopf kann in die Mitte einsinken. Angesagt sind aktuell weiche, höhenverstellbare Modelle. Tipp: Auch eine Nackenrolle kann den Schlaf verbessern 

Welches Füllmaterial?

Kopfkissen gibt es mit unzähligen Füllungen, jede hat Vor- und Nachteile, was Komfort, Waschbarkeit oder Hygiene (bei Allergien) betrifft.

Kunstfaserkissen

Kopfkissen aus Polyester, Schaumstoff oder Watte sind am häufigsten im Einsatz. Sie sind in der Anschaffung relativ günstig und für Allergiker geeignet, da Milben hier keinen geeigneten Lebensraum finden. Kopfkissen, die mit Kunstfasern gefüllt sind, sind sehr weich und elastisch. 

Kunststoffkügelchen, Micro-Perlen, Spiralfasern

Polyesterbällchen verklumpen beim Waschen nicht und sind ebenfalls für Allergiker geeignet. Die Kopfkissen sind atmungsaktiv und damit angenehm für Schwitzer. Sie passen sich angenehm der Kopfform an und sind nach dem Aufschütteln wieder in Form. Je nach Füllmenge ist der Härtegrad wählbar: von flauschig weich bis stützend.

Schaumstoffkissen & Gelkissen

Schaumstoff und Gelkissen werden immer beliebter. Der sogenannte viskoelastische Schaumstoff passt sich ideal der Kopfform an und stützt die Wirbelsäule besonders gut und schonend. Aus diesem Grund wird der Schaumstoff auch in den meisten orthopädischen Kissen verwendet. Dazu sind Memoryfoamkissen wahnsinnig bequem. 

Orthopädische Kissen

Auch orthopädische Kissen haben einen regelrechten Boom erlebt, am bekanntesten sind die Kissen mit den 2 Wölbungen, die dem menschlichen Körper nachempfunden sind, um den Nackenbereich optimal zu stützen und für eine gerade Wirbelsäule zu sorgen. Je nach Bedarf sind die eher flachen Schlafhilfen in verschiedenen Formen zu kaufen (auch höhenverstellbar). Das nackenstützende Kissen ist ebenfalls für Seitenschläfer geeignet, da es den Nacken auch in dieser Position im Gleichgewicht hält.

Daunen- und Federkissen

Der Klassiker unter den Kopfkissen sind Daunenkissen. Daunen sind weiche Unterfedern, die sich hervorragend als Füllmaterial eignen, da sie weich sind und Wärme speichern. Die härteren Federn mit Kiel machen das Kissen etwas elastischer. Wechselt man die Position, dann richtet sich das Kissen zum Teil wieder auf. Je höher der Federanteil, desto härter ist das Kissen. 

Federkissen

Federkissen sind eine Variante der Daunenkissen. Sie sind mit über 70% Federn gefüllt und deutlich formstabiler als die Daunenkissen. Dafür sind sie nicht ganz so flauschig und können durch die Stiele leicht piksen.

Naturhaarkissen

Naturhaarfüllungen sind z.B. aus Kamelhaar, Kaschmir oder Schafschurwolle. Das natürliche Material kann aufgrund seiner wärmenden und kühlenden Eigenschaften eine Erleichterung beim nächtlichen Schwitzen sein, aber leider auch ein beliebter Wohnraum für Hausstaubmilben und Schimmelpilze. Wenn keine Allergien vorliegen, dann kann diese luxuriöse Variante eine Lösung gegen schweißnasse Nächte sein.

Die Größe

Die 3 Standardgrößen für Kissen sind:

  • 80 x 80 cm Quadratische Standardgröße 

  • 40 x 60 cm sowie 60 x 80 cm Rechteckige Standardgröße

Natürlich gibt es noch unzählige Spezialgrößen und Spezial-Formen, z.B. für Seitenschläfer. Die Standardgröße 80×80 ist für die meisten Menschen zu groß. Die Schultern liegen hier oft auf dem Kissen und nicht auf der Matratze. So krümmt sich die gesamte Wirbelsäule. Daher machen kleinere und schmalere Varianten häufig mehr Sinn. Denn auch je breiter das Kissen, umso tiefer sinkt der Kopf in der Mitte ein. Auch Seitenschläfer versinken häufig im Kissen, was neben Abdrücken auch zu Hautunreinheiten führen kann.

Wie lange ist ein Kopfkissen haltbar?

Daunenkissen beispielsweise verlieren über die Jahre an Elastizität und Sauberkeit, daher sollten sie nach etwa 3 Jahren ausgewechselt werden, um Milben- und Pilzbefall zu verhindern. Füllungen aus Polyesterkugeln oder Schaumstoff halten häufig am längsten. Aus hygienischen Gründen ist aber auch hier nach maximal 5 Jahren Schluss.

Schönheitsschlaf mit Seidenkissen

Wer schön sein will, muss schlafen! Am besten auf einem Kissenbezug aus Seide. Über Nacht pflegt das Seidenkissen Haut und Haare wie eine Anti-Aging Kur. Glattere Haut, weniger Hautirritationen und weniger Haarbruch – diese Benefits hören sich doch traumhaft an. 

Während Polyfasern- und Baumwollstoffe Feuchtigkeit entziehen, gleitet Seide über Haut und Haar, bewahrt deren Feuchtigkeit und schützt zusätzlich. Das bedeutet, dass die Feuchtigkeit von Haut und Haar bewahrt wird und dass beispielsweise Nachtcremes weniger vom Kissenbezug aufgesogen werden. Auch die Haare, die durch grobe Fasern gerieben werden, haben deutlich weniger Frizz, Spliss und Haarbruch. Und auch die Haut wird weniger geknittert, was Faltenbildung vorbeugt. 

Milben, Schimmelpilze und Bakterien werden ebenfalls von dem rein natürlichen und hypoallergen Material abgewiesen. Darüber freuen sich nicht nur Allergiker, sondern auch das weniger irritierte Hautbild.

Außerdem ist das Schlafen auf dem Seidenkissen unheimlich gemütlich. Der Stoff bleibt schön kühl an warmen Tagen und wärmt bei winterlichen Temperaturen. Eine Investition, die sich lohnt. Die Stärke der Seide wird übrigens in Momme angegeben. Hier ist mehr auch mehr.

Körnerkissen & Duftkissen

Eine Spezialvariante (Ergänzung zum Kopfkissen) sind Körner oder Duftkissen. Sie können beispielsweise mit Getreidesorten (z.B. Weizen, Dinkel, Roggen, Hirse), Kernen (z.B. Kirsche, Johannisbeere, Traube) oder auch Kräutern (z.B. Lavendel, Pfefferminze) gefüllt sein. Als Schlafkissen sind sie zu hart und passen sich der Kopfform auch nicht wirklich an. Das kann zu Druckschmerzen und Verspannungen führen. Als Schlafhilfe sind sie jedoch hervorragend. Tipp: An kalten Tagen können die Kissen erhitzt und als Wärmflaschenersatz genutzt werden. 

Zirbenkissen 

Schon mal was von Zirbenkissen gehört? Sie sollen ein bewährtes Hausmittel bei Schlafproblemen sein. Urlauber in den Alpen kennen diesen Effekt vielleicht: Während des Schlafens in einem Zirbelkieferbett wird der Duft des Holzes wahrgenommen, was den Schlaf positiv beeinflussen kann. Für dieses Urlaubsfeeling muss man sich nicht gleich ein neues Bettgestell zulegen, es reicht schon ein Kissen. Zirbenkissen sind mit Holzspänen der Zirbenkiefer gefüllt und duften ebenfalls nach frisch geschlagenem Holz, nach Baumharz, nach Wald und Berg. Nach Natur eben. 

Die Zirbe oder auch Königin der Alpen wächst auf 2500 Metern Höhe. Hier herrschen extreme Bedingungen, denen der Zirbenbaum trotzt, indem er Stoffe entwickelt, die auch gestressten Menschen helfen können, so die Meinung einiger Wissenschaftler in Graz. Sie fanden heraus, dass die Öle der Zirbe Kreislauf, vegetatives Nervensystem und so auch den Schlaf positiv beeinflussen können. Schläft man längere Zeit in einem Zirbenbett oder mit Zirbenkissen, soll sich das sogar auch positiv auf das Herz auswirken, denn schläft man nachts besser, ist tagsüber die Herzfrequenz niedriger und man spart dem Herzen Arbeit.

Beauty & Health, Food & Kitchen, Well-being Experte

Janina Grimmiger

Seit vielen Jahren arbeitet Janina als freie Beauty- und Lifestyle-Redakteurin für deutsche Magazine. Wir freuen uns ganz besonders, dass sie mit uns eintaucht in die Welt all der Dinge, die uns gut tun, uns in Balance bringen - und Freude schenken.