SLEEP editorial

Hauptsache in meinem Bett ist alles in Butter!

Von Suse Kaloff
Lesezeit: ca. 2 Minuten


Die Sache mit den Trends ist die: Sie sind fatal. 

Sie schleichen sich unbemerkt ins Leben wie Wollmäuse oder Toxic Boys. Du siehst sie nicht kommen und plötzlich liegen sie unter/in deiner Falle und dein Schlaf ist im Eimer. Man kann an nichts anderes mehr denken, bekommt den angeblichen Trend nicht mehr aus dem Schädel und eines Tages erwischt man sich dabei, wie man ein Pfund Butter auf einen Holzscheit streicht. Why? Vermutlich, weil man eine Stunde zu lange auf Instagram versackt ist und überall die Rede war vom, Obacht, Butter Board. Das ist ein viraler Trend zurzeit, keine Ahnung, wie ich, die solche Dinge immer als letzte mitbekommt und versucht, mehr sozial zu sein statt Social Media zu machen, davon erfuhr. Das Butter Board ist also, nennen wir es mal so, ein Brauch, bei dem Butter auf einem Holzbrett angerichtet, drum herum Brot drapiert und gemeinsam mit seinen Trendsetter-Freunden verspeist wird. Bei uns hieß das früher Butterbrot. 

Ein anderer Trend, der mich in den Klauen hatte, heißt Human Design. Anfangs stand ich auf diese New-Age-Persönlichkeitslehre, die sich ein Typ in Amerika mal ausgedacht hatte, ähnlich doll wie auf tierische Fette. Ich zog sie mir rein, als sei ich spirituell am Verhungern. Nichts anderes beschäftigte mich mehr, ich googelte und las und buchte Online-Kurse, um rauszufinden, was ich als geborener „Projector“ zu tun und zu lassen habe. Ich buchte mehrere Einzelcoachings mit internationalen Human Design Teachern, bestimmt im Wert von hundert Butterfahrten. Wenn ich eine Schwäche habe, dann ist sie das: Disziplin. Ich bin eine gute Jüngerin, folgsam und gläubig. Wenn es heißt, macht dies oder das nicht, das ist für dich gut, das schlecht, halte ich mich dran. Dogma hat mir noch nie Angst gemacht und das macht mir neuerdings Angst. Wie kann es sein, dass ich glaube, dass irgendein Kerl mit Namen Ra Uru Hu, der lange verstorben ist, mal eine Eingebung von oben empfing und diese Persönlichkeitsanalyse niederschrieb, mehr von mir weiß als ich selbst? Laut HD, wie Human Design bei den Eingeweihten genannt wird, soll ein Projector immer alleine schlafen. Okay, done, dachte ich, mach’ ich eh, allerdings nicht freiwillig, sondern in Ermangelung eines Partners. Es sei überhaupt nicht gesund für besagten Persönlichkeitstypus, das Bett zu teilen. Mit niemandem, weder mit Freund noch mit Feind, nicht mal mit seinem Baby. Denn im Schlaf würde sich die Aura des Bettgefährten in die eigene wanzen und das elektromagnetische Feld stören. Man würde die Energie der anderen Person aufnehmen und das sei dringend zu verhindern. Oder so ähnlich. Wenn ich es jetzt so aufschreibe, kommt es mir auch eine Spur grotesk vor. Sicher gibt es an der Lehre etliche Dinge, die gut sind, die für einen funktionieren, weil sie Halt und Sinn geben, in Zeiten, in denen so wenig Halt und Sinn gibt. Es kann unter Umständen helfen, eine Methode zu kennen, die Antworten liefert auf all die bohrenden Fragen und Ungereimtheiten, die in der Nacht auftauchen. In stürmischen Zeiten mag es Orientierung geben und guttun, ein System zu kennen, das einem dabei hilft, zu leben. Ich glaube allerdings mittlerweile, dass niemand außer mir selbst weiß, was mir guttut. Und wann es höchste Zeit ist, für eine schöne Bettgeschichte und ein fettes Butterbrot.    

Foto: Brita Sönnichsen

Well-being Experte

Suse Kaloff

Bestseller- und Star-Autorin aus Hamburg. Mit ihren frechen, frischen, authentischen, vor allem aber dabei tiefsinnigen Veröffentlichungen bereichert Suse nun auch yoself. Jeden Monat denkt sie in ihrem Editorial mit uns über das Leben in Balance nach - mit allem, was dazugehört. (Foto: Brita Sönnichsen)