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SELF-CARE editorial

Star-Kolumnistin Suse Kaloff: Balance fängt in der Birne an!

Von Suse Kaloff
Lesezeit: ca. 3 Minuten


Van Halen, die US-Band, an die sich nur erinnert, wer älter als der Euro ist, brachte im Januar 1995 ein Album raus mit dem verstörenden Titel Balance. Bei einer Rockband hat man ja eher das Bild von zertrümmerten Gitarren in zerlegten Hotelsuiten vor sich als zen-artige Ausgeglichenheit. Der Wunsch nach Wellness macht eben vor niemandem halt, wenn man den etwas aus dem Ruder gelaufenen Begriff Wellness mal runterbricht, auf das, war er eigentlich bedeutet: be well. Damit wir uns wohl fühlen in unserer Haut und unserem Oberstübchen, braucht es mehr als eine Schlammpackung auf der Nase. Es braucht Gleichgewicht, nicht zu viel und nicht zu wenig. Wir, die wir das Privileg haben, uns mit unserem körperlichen und seelischen Wohlsein bis zur Erschöpfung zu beschäftigen, leiden unter einer Sache meist nicht: zu wenig. Meist haben wir zu viel von allem: zu viel Stress, zu viele Genussmittel, zu viele Tabs im Kopf geöffnet, bis uns schwindelig wird. Vermutlich ist das der Grund, warum immer mehr Menschen Sehnsucht haben nach weniger. Minimalismus gibt etwas, was man nirgendwo auf der Welt kaufen kann: Ruhe. Ausatmen. Achtsamkeit.

Das lässt sich auf erstaunlich vieles im Leben anwenden, meistens bleibt der Versuch, sich zu entlasten, aber beim Grobstofflichen, dem Körper. Ein Grund, warum im Januar plötzlich alle alles auf einen Schlag ändern möchten, weil die zwölf Monate zuvor zu viel waren. In jeder Hinsicht. Nun haben wir aber sogar schon 24 Monate hinter uns, die jeden, der einen Puls hat, auf eine harte Probe gestellt haben. Eine Pandemie ist etwas, was wir nicht kannten. Sie macht Angst, keine Frage, aber sie hat neben all dem Übel auch etwas Gutes gebracht: Platz geschaffen für das Wesentliche. Das, was übrig bleibt, wenn alles andere nicht mehr so recht funktioniert. Sie hat viele Fragen gestellt, vor allem aber eine: Was ist dir wichtig hier in diesem, deinen Leben, das du auf der Erde zur Verfügung hast? Gute Frage. Ich habe drei Antworten darauf: 1. Detox fängt in der Birne an, der Bauch folgt. Und 2. Minimalismus hat nichts mit Quantität, sondern mit Qualität zu tun. Das, was bleiben darf, muss einem guttun. Ich habe lieber eine geliebte Vintage Levi’s im Schrank als zehn Fast-Fashion-Modelle 3. Eine Entgiftungskur, die nichts mit dem Körper zu tun hat, wird kolossal unterschätzt.

Beispiele? Instagram-Accounts, die mich mit einem unguten Gefühl zurücklassen, entfolge ich. Ciao ohne Au, doch, das darf man. Genauso alle Newsletter abbestellen, die einem Käse verkaufen wollen. Reinigend kann auch sein, mal alle Produkte in Küche und Bad aufs Haltbarkeitsdatum zu überprüfen. Vielleicht dieses Reinigungsritual auch direkt auf lose Bekanntschaften anwenden. Handy, Computer und das Auto entrümpeln. Klamotten, die nicht mehr passen, verschenken, statt darauf zu warten, pfff, dass sie eines Tages wieder passen. Dabei sehr laut Jump von Van Halen hören und sich dieses frischgewaschene 2022 mit Elan und Lebensfreude vorknöpfen.

Well-being Experte

Suse Kaloff

Bestseller- und Star-Autorin aus Hamburg. Mit ihren frechen, frischen, authentischen, vor allem aber dabei tiefsinnigen Veröffentlichungen bereichert Suse nun auch yoself. Jeden Monat denkt sie in ihrem Editorial mit uns über das Leben in Balance nach - mit allem, was dazugehört. (Foto: Brita Sönnichsen)